Wo befand sich die Blodaupforte?

Der Eingangsbereich zur Diakonissenanstalt 1944, Gemälde von Diakonisse

Kaiserswerther Rätsel Teil 1

Sicher haben viele das Gebäude auf den Fotos erkannt, aber was hat der Namen „Blodaupforte“ zu bedeuten? Bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Besucher der Diakonissenanstalt das Gelände an der Alten Landstraße nicht ohne Weiteres betreten. Ein aus Backsteinen gemauertes Tor und das dazugehörige Pförtnergebäude waren zu passieren. Dort konnte man sich anmelden und nach dem Weg fragen. Lange Zeit verrichtete Fritz Blodau (1882–1962) diesen Dienst. Auf einem Gemälde aus dem Jahr 1944 schaut er aus dem Fenster seines Pförtnerstübchens. Über den Namensgeber Fritz Blodau ist kaum etwas überliefert, obwohl er jahrzehntelang zum festen Inventar der Diakonie gehörte.

Lediglich sein Grabstein auf dem Mitarbeiterfriedhof hinter dem Alten Waschhaus zeugt noch von seinem Leben. Dabei versah er über mehrere Jahrzehnte den Pförtnerdienst am Eingang zur Diakonissenanstalt und war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Die Kaiserswerther Mitteilungen schrieben 1962 über ihn: „‘Bei Blodau‘ ist für Jung und Alt, für Schwestern, Schülerinnen, Mitarbeiter der Diakonissenanstalt und Kaiserswerther Geschäftsleute ein unbedingt zuverlässiger Treffpunkt: Pforte bei Blodau, Parkplatz bei Blodau, Auskunft bei Blodau. Herr Blodaus wachsames Auge sah ungezählte Menschen durchs Tor hereinkommen, durchs Tor hinausgehen.

Sie sahen Kinder groß werden – sie haben heute noch Respekt vor ihm –, sie sahen junge Mädchen zum Eintritt kommen.“ Darüber hinaus vermittelte er auch die ein- und ausgehenden Telefonverbindungen, was bis zu Beginn der 1960er Jahre noch manuell geschah. Über seine Herkunft ist kaum etwas bekannt, lediglich, dass er aus dem Ruhrgebiet stammte und mit 26 Jahren durch einen Betriebsunfall bei Krupp ein Bein verloren haben soll. 1919 trat er dann in den Dienst der Kaiserswerther Anstalt, den er bis zu seinem Tod 1962 versah. Ein Jahr zuvor hatte er zu seinem 80. Geburtstag einen Fernsehapparat geschenkt bekommen, ein damals noch recht neues Medium. In Krisenzeiten wurde das kleine Pfortengebäude auch für weitere Zwecke genutzt.

So richtete die Diakonissenanstalt in der Zeit der Weltwirtschaftskrise nach 1929 dort eine Arbeitslosenspeisung ein. Aus einem anderen Diakonissenmutterhaus wurde aus dieser Zeit berichtet, dass bei den Bedürftigen alle Altersstufen und Berufe vertreten waren und nicht selten die Wartenden in Ohnmacht fielen, weil sie seit Tagen nichts mehr zu sich genommen hatten. Die Diakonissen kümmerten sich aber auch um andere Bedürftige, wie wandernde Handwerksgesellen. Rechts vom Eingang entstand 1965 ein moderner Zweckbau für die traditionsreiche Kaiserswerther Buchhandlung. Im Pförtnergebäude selbst ist seit 1992 der Kunst- und Werkladen EigenArt untergebracht. Die angebotenen Produkte entstehen größtenteils in der „Tagesstruktur“ der Kaiserswerther Diakonie, einem Angebot für Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen. In der Mitte der 1960er Jahre wurde das Tor abgerissen, weil die modernen Krankenwagen nicht hindurch passten.

Annett Büttner

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