Prüfen – Rufen – Drücken: Leben retten will gelernt sein
Mit einer landesweiten Initiative stärkt die Landesregierung Nordrhein-Westfalen die Wiederbelebungskompetenz von Schülerinnen und Schülern. Ziel ist es, jungen Menschen frühzeitig das Wissen und die Sicherheit zu vermitteln, in Notfällen schnell und richtig zu handeln. Denn bei einem plötzlichen Herzstillstand zählt jede Minute – und auch Laien können durch einfache Maßnahmen wie Herzdruckmassage die Überlebenschancen deutlich erhöhen. Durch die flächendeckende Schulung in Schulen wird nicht nur die Laienreanimationsquote langfristig gesteigert, sondern auch ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahmen geschaffen.

Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird der Reanimationsunterricht an Schulen im Bereich der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen verpflichtend eingeführt. Das sind 2.100 Schulen, an denen jede:r Schüler:in mindestens einmal in den Klassen 7, 8 oder 9 für 90 Minuten unterrichtet wird, wie ein Menschenleben nach dem Schema „Prüfen – Rufen – Drücken“ gerettet werden kann.
Schulministerin Dorothee Feller hat dafür gemeinsam mit Vertreter:innen von Stiftungen, Ärztekammern, Hilfsorganisationen, Ärztlichen Partner:innen und medizinischen Fachgesellschaften eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Das Florence-Nightingale-Krankenhaus ist Partnerorganisationen für den Regierungsbezirk Düsseldorf.
Was das konkret bedeutet, erläutern Professor Dr. med. Antje Gottschalk, Chefärztin und Omid Ahmad, Facharzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie.
Was ist die Aufgabe des Florence-Nightingale-Krankenhauses als Partner der Initiative?
Omid Ahmad: Wir sind medizinischer Kooperationspartner des Ministeriums für Schule und Bildung im Regierungsbezirk Düsseldorf. Das heißt, wir stellen das medizinische Fachpersonal, um Lehrerinnen und Lehrern in Präsenzfortbildungen zu schulen. Ergänzend gibt es Schulungsvideos. Auch wenn Lehrerinnen und Lehrer sich an das Ministerium wenden, stehen wir als medizinische Fachberater zur Verfügung.
Weshalb ist das Florence-Nightingale-Krankenhaus Partner geworden?
Prof. Antje Gottschalk: Wir schulen seit einigen Jahren Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrer im Raum Düsseldorf. Das Projekt habe ich bei meiner Tätigkeit für die Uniklinik Münster kennengerlernt und mit nach Düsseldorf gebracht. In Münster werden seit vielen Jahren, zum Beispiel in der „Woche der Wiederbelebung“, Kinder oder Jugendlichen in der Schule trainiert, im Notfall richtig zu reagieren.
Durch ein schnelles Eingreifen kann die Überlebenschance signifikant verbessert werden. Mit den Trainings gewinnen die Schülerinnen und Schüler Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ihre Angst vor einer Reanimation wird abgebaut. Nach dem Training gehen sie nach Hause und erzählen in ihren Familien und bei Freunden davon und wirken so als Multiplikatoren.
In anderen europäischen Ländern wie in Skandinavien oder den Niederlanden werden Schülerinnen und Schüler schon lange geschult. Die Raten der Laienreanimation in diesen Ländern sind viel höher als bei uns. Mit dem Erlass des Bildungsministeriums wird der Reanimationsunterricht nun auch hier in Nordrhein-Westfalen verpflichtend. Ich bin glücklich, dass das vollbracht ist.
Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Omid Ahmad: Für den November dieses Jahres ist die Auftaktveranstaltung für den Regierungsbezirk Düsseldorf im „Haus der Ärzteschaft“ geplant. Dort werden mehr als 100 Lehrerinnen und Lehrer geschult. Darauf freuen wir schon uns sehr.
© Kaiserswerther Diakonie